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ZfS, Jg. 38, Heft 6 (2009)

Welcher Realismus? Welcher Sozialkonstruktivismus? Ein Kommentar zu Georg Kneers Verteidigung des Sozialkonstruktivismus und zu Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie

Markus Holzinger

Zusammenfassung: Georg Kneer hat in einem Beitrag für diese Zeitschrift (ZfS 1/2009) eine „Verteidigung des Sozialkonstruktivismus“ gegenüber den in den letzten Jahren an ihn adressierten Vorwürfen entworfen. Kneer weist die Argumente des Poststrukturalismus, wie sie insbesondere von Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie entwickelt werden, als unzutreffend zurück und wirft diesem vor, einem heimlichen Fundamentalismus aufzusitzen. Unter Rekurs auf die philosophische Position des Neutralismus plädiert er für eine Beibehaltung des Sozialkonstruktivismus. Die poststrukturalistischen Argumente werden von Kneer allerdings nur am Rande dargestellt und überdies unpräzise wiedergegeben. Es wird nicht verständlich, worin überhaupt das Ziel poststrukturalistischer Arbeiten besteht. Daher werden Kneers (sozialkonstruktivistische) Prämissen in diesem Beitrag nochmals vor dem Hintergrund einiger poststrukturalistischer Theoreme gespiegelt. Der Beitrag befasst sich zunächst kritisch mit Kneers These einer vermeintlichen Synthese von Neutralismus und Sozialkonstruktivismus und argumentiert sodann, dass es dem Poststrukturalismus darum geht, Reduktionismen des gängigen Sozialkonstruktivismus zu umgehen. Der Aufsatz konzentriert sich vor allem auf die Position Latours und geht ausführlich auf dessen Versuch ein, realistische und sozialkonstruktivistischen Argumente zu integrieren.