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ZfS, Jg. 38, Heft 6 (2009)

Hat Bourdieu wirklich so wenig ‚Klasse‘? Replik auf André Kieserlings Aufsatz „Felder und Klassen: Pierre Bourdieus Theorie der modernen Gesellschaft“

Martin Petzke

Zusammenfassung: Die Replik stellt André Kieserlings These in Frage, nach der das Theoriegebäude Pierre Bourdieus eindeutig für einen gesellschaftlichen Primat der Felderdifferenzierung spricht und die Relevanz von Klassen auf das Privatleben begrenzt. Entgegen Kieserlings Lesart einer feldinternen „Neutralisierung“ von Klassenlagen wird auf die Theoriestelle der „strukturellen Homologien“ zwischen Feldern und Klassen aufmerksam gemacht. Mit diesem Konzept geht ein Autonomiebegriff einher, der gerade nicht auf Neutralisierung, sondern auf Übersetzung und Verklärung der Gegensätze des Sozialraums abstellt. Die Homologien zwischen Feldern und Klassen, die sich in dieser relativen Autonomie erhalten, sorgen in der Theorie Bourdieus für eine Logik der Überdeterminierung, die feldinternen Handlungen immer auch eine Bedeutung für Auseinandersetzungen zwischen Klassen verleiht. Daneben wird argumentiert, dass sich auch die frühen Erziehungsstudien und das Konzept feldinterner Verallgemeinerungsprofite nicht ohne weiteres für einen Primat der Felderdifferenzierung in Beschlag nehmen lassen.