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ZfS, Jg. 38, Heft 6 (2009)

Multiple Modernities: Konkurrierende Thesen und offene Fragen. Ein Literaturbericht in konstruktiver Absicht

Thomas Schwinn

Zusammenfassung: Der Ansatz multipler Modernitäten wird in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Theorieangeboten und der Klärung offener Fragen vorgestellt und fortentwickelt. Zunächst werden die grundsätzlichen Schwierigkeiten bei der Bestimmung verschiedener Formen von Modernität dargelegt (1). Neomodernistische Positionen behaupten eine zunehmende Angleichung der Gestalt moderner Gesellschaften, die der These vielfältiger Modernisierungsmuster widerspricht. Dies wird mit dem Argument einer fixierten Interdependenz des Sets moderner Institutionen begründet (2). Da dabei ein Primat der Struktur unterstellt wird, müssen die Wirkungen kultureller Gegebenheiten auf Modernitätsmuster genauer verfolgt werden (3). Weltsystemansätze bestreiten, dass es voneinander abgrenzbare Modernitäten gebe (4). Am Beispiel der vergleichenden Kapitalismusforschung, die einen deutsch-japanischen Kapitalismustyp bildet, wird gefragt, ob sich Vielfalt und Variation quer zu kulturellen Grenzen ausbilden (5). Mit den zuvor gewonnenen theoretischen Einsichten werden die ungeklärt bleibenden Modellprämissen der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei sichtbar gemacht (6). Abschließend werden die zentralen noch offenen und weiter klärungsbedürftigen Fragen aufgelistet (7).