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ZfS, Jg. 44, Heft 3 (2015)

Die Objektivierung der Dinge. Wissenspraktiken im mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulunterricht

Tobias Röhl

Zusammenfassung: Auf Grundlage ethnografischer Daten beschäftigt sich der Aufsatz mit Experimenten und Anschauungsobjekten im mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulunterricht der Sekundarstufe. Die Unterrichtsteilnehmer transformieren dabei vieldeutige Dinge in eindeutige und von ihnen als unabhängig gefasste Objekte. Diese Objektivierung der Dinge erfolgt im Schulunterricht in drei Phasen: Nach der Vorbereitung im schulischen Archiv werden die Dinge bei der Durchführung von Experimenten im Unterrichtsraum in Aktion versetzt und schließlich in die sprachliche bzw. schriftliche Form an der Tafel und in den Heften überführt. Diese praktische Transformationsleistung ist durch eine asymmetrische Verteilung von Rede- und Manipulationsrechten sowie die Gestaltung der Dinge abgesichert und baut auf ein distanziertes (meist visuelles) Erkenntnismodell. Damit üben die Unterrichtsteilnehmer auch eine zwischen kulturellen Subjekten und materiellen Objekten unterscheidende gesellschaftliche Haltung ein.

Schlagworte: Wissenssoziologie; Materialität; Soziologie der Dinge; Ethnografische Unterrichtsforschung; Physikunterricht