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ZfS, Jg. 43, Heft 6 (2014)

„The evils of racism and the wealth of diversity“ – Zum Bedeutungswandel der Rassenkategorie bei den UN-Weltkonferenzen gegen Rassismus

Marion Müller

Zusammenfassung: Im Mittelpunkt des Beitrags steht eine Rekonstruktion des Bedeutungswandels der Kategorie „Rasse“ sowie des Verständnisses von Rassismus im Rahmen der UN-Weltkonferenzen gegen Rassendiskriminierung. Die Diskreditierung von Rassismus wird als frühes Beispiel der Institutionalisierung globaler Erwartungsstrukturen (world polity) gedeutet. Die Analyse der Konferenz-Abschlussdokumente zeigt eine Kulturalisierung der Rassenkategorie und eine zunehmend kulturalistische Wahrnehmung der Welt. Rassismus bezieht sich nicht länger auf körperliche Unterschiede zwischen Menschen, sondern auf den Vergleich von Kulturen, die Rassen und Völkern zugeordnet werden. Gleichzeitig kommt es zu einer Aufwertung kultureller Differenzen, die positiv als „Vielfalt“ umgedeutet und zur Basis neuer menschenrechtlicher Forderungen werden. Der Beitrag ergänzt Arbeiten zur globalen Institutionalisierung von Menschenrechten, bei denen das Verbot der Rassendiskriminierung bislang weitgehend ausgespart blieb, und belegt die ständige Um- und Neuinterpretation von Weltkultur.

Schlagworte: Weltgesellschaft; Rassismus; Soziologie der Ethnizität; Neo-Institutionalismus; Wissenssoziologie