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ZfS, Jg. 43, Heft 5 (2014)

Die Umweltbewegung und der Wandel der institutionellen Logik auf dem Strommarkt

Thomas Kern

Zusammenfassung: In der Wahrnehmung vieler Beobachter hat die Umweltbewegung mit dem Erfolg der erneuerbaren Energien einen ihrer größten Siege gefeiert. Institutionentheoretisch lässt sich das „Ergrünen“ des Strommarktes als Durchsetzung einer neuen institutionellen Logik interpretieren. Der Begriff bezeichnet die grundlegenden Ordnungsvorstellungen, an denen sich die Akteure innerhalb eines institutionellen Feldes orientieren. Mittels einer Inhaltsanalyse von Presserklärungen zwischen 2005 und 2012 werden in der Studie drei zentrale Logiken des Strommarktes identifiziert: eine korporatistische Versorgungslogik, eine wettbewerbsorientierte Marktlogik und eine partizipative Umweltlogik. Danach wird gezeigt, wie umweltbewegungsnahe Stromversorger ein Organisationsleitbild entwickelten, an dem sich mittlerweile eine wachsende Zahl von Unternehmen orientiert. Schließlich steht das Zertifizierungssystem im Zentrum, mit dem die umweltbewegungsnahen Ökostromversorger möglichen Entkopplungstendenzen auf dem Strommarkt gegensteuern. Es wird nachgewiesen, dass die Entscheidung für eine kostenintensive Zertifizierung von Stromtarifen wesentlich davon abhängt, wie stark sich ein Unternehmen am Organisationsleitbild der bewegungsnahen Ökostromversorger orientiert.

Schlagworte: Institutionalismus; Organisationssoziologie; Wirtschaftssoziologie; Soziale Bewegungen; Ökologiebewegung; Strommarkt; Institutionelle Felder; Organisationsidentität