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ZfS, Jg. 42, Heft 6 (2013)

Krieg und gesellschaftliche Differenzierung

Barbara Kuchler

Zusammenfassung: Viele Besonderheiten von Kriegen der jüngeren Zeit können zusammenhängend begriffen werden, wenn sie mit Hilfe der soziologischen Systemtheorie analysiert und auf die Differenzierungsform der Gesellschaft bezogen werden. In der funktional differenzierten Gesellschaft wird der sozialstrukturelle Ort von Krieg und Kriegstruppen enger zugeschnitten, stärker ausdifferenziert und stärker funktional spezifiziert als in vormodernen Gesellschaften. Die Rekrutierungsbasis für Kämpfer kann, im Einklang mit dem allgemeinen Inklusionstrend der Moderne, mit dieser Umstellung gleichwohl breiter werden. In der Folge ergeben sich typische Probleme der Rollenkombination und -kompatibilisierung. Eine spezielle Variante von Inklusion stellen irreguläre Kriegstruppen dar, die die autonome, staatsferne, vom Publikum des politischen Systems ausgehende Inklusion in Kriege betreiben. Auch die Problematik ziviler Kriegsopfer und die allgemein verbreitete Negativwertung von Krieg kann mit Blick auf das Differenzierung- und Inklusionstheorem besser verstanden werden.

Schlagworte: Gesellschaftstheorie; Systemtheorie; Krieg; Gewalt; Militär; Zivil-militärische Beziehungen; Funktionale Differenzierung.