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ZfS, Jg. 41, Heft 4 (2012)

Erwartungen über Publikumserwartungen. Politische Wahlen und die Segmentierung des politischen Publikums

Isabel Kusche

Zusammenfassung: Der Aufsatz untersucht, welche Rolle Erwartungen über partikularistische Publikumserwartungen im Verhältnis von politischen Akteuren und Wählern spielen. Er problematisiert die systemtheoretische Annahme, dass Parteien nur mit relativ universalistischen Programmen um Wähler werben können, weil das Verfahren der politischen Wahl in Verbindung mit der öffentlichen Kommunikation über Politik ein unbekanntes Publikum erzeuge. Jenseits eines massenmedial induzierten Universalismus bieten sich Parteien und Politikern Gelegenheiten, Segmente des politischen Publikums voneinander zu unterscheiden und um Wählerstimmen mit der Erfüllung partikularistischer Erwartungen zu werben. Das geschieht nichtöffentlich und insbesondere über klientelistische und/oder wahlkreisbezogene Kopplungen zwischen administrativen Einzelentscheidungen und individuellem Wahlverhalten. Die Befunde stellen die Zentralität des binären Codes Regierung/Opposition für die Ausdifferenzierung des politischen Systems in Frage. Vorgeschlagen wird eine Perspektive, die von der variablen Gewichtung dieser Unterscheidung in Relation zu einer allgemeiner konzipierten Differenz Machtüberlegenheit/Machtunterlegenheit in der politischen Kommunikation ausgeht und unter dieser Prämisse empirisch auffindbare Varianten der Ausdifferenzierung von Politik identifiziert.

Schlagworte: Politisches Publikum; Politischer Klientelismus; Partikularismus; Wahlen; Systemtheorie; Gesellschaftstheorie; Binärer Code; Macht