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ZfS, Jg. 41, Heft 1 (2012)

Die Gesellschaft der „neuen Wirtschaftssoziologie“. Eine Replik auf Jens Beckerts Artikel „Wirtschaftssoziologie als Gesellschaftstheorie“

Torsten Strulik

Zusammenfassung: Die Replik bezieht sich auf das von Jens Beckert thematisierte Verhältnis von Gesellschaftstheorie und Wirtschaftssoziologie. Sie setzt sich kritisch mit dem begrifflich-analytischen Instrumentarium der vorgeschlagenen integrierten Perspektive auf Wirtschaft und Gesellschaft auseinander und verhält sich ablehnend gegenüber der Vorgehensweise, einem Funktionssystem den Primat für die Erklärung gesellschaftlicher Entwicklung zuzuschreiben. Die entsprechende Diskussion zentraler Argumente und Begriffe wird ergänzt um konzeptionelle Vorschläge sowie empirische Anmerkungen, die einer weniger selektiven Betrachtung des Verhältnisses von Wirtschaft und Gesellschaft dienen. In gesellschaftstheoretischer Hinsicht wird die Auffassung vertreten, dass die Wirtschaftssoziologie eine größere Sensibilität für die dynamischen Ermöglichungs- und Steigerungsverhältnisse wirtschaftlicher und nicht wirtschaftlicher Kommunikation benötigt und sich hierzu stärker für neuere Forschungen auch anderer soziologischer Bereiche öffnen sollte. Gerade die von Beckert vertretene „neue Wirtschaftssoziologie“ ist noch zu sehr an den Beobachtungen und Fragestellungen einer vermeintlich problemlösenden Wirtschaftswissenschaft orientiert, als dass sie innovative Beiträge zur Erklärung hoch komplexer und ambivalenter gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse hervorzubringen vermag.

Schlagworte: Gesellschaftstheorie; Wirtschaftssoziologie; Beckert; Primat der Wirtschaft; Kognitive Erwartungen; Einbettung; Selbstreferenz; Entscheidungsprämissen; Konflikt; Funktionaler Antagonismus; Funktionale Komplementarität.