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ZfS, Jg. 41, Heft 1 (2012)

On Biographical Alienation

Herwig Reiter

Zusammenfassung: Vor dem Hintergrund der postkommunistischen Transformation in Osteuropa diskutiert dieser Essay biografische Entfremdung als ein einen Hinweis auf eine spezifische soziale Pathologie in Zeiten radikalen sozialen Wandels. Nach einer Beschreibung der postkommunistischen Situation anhand ausgewählter Aspekte, stellt der Aufsatz einen Einzelfall vor, der im Rahmen einer Untersuchung Jugendlicher im Übergang in die Arbeitswelt im ehemals sowjetischen Litauen interviewt wurde und der als empirische Grundlage für den Entwurf eines Begriffs biografischer Entfremdung dient. Biografische Entfremdung verweist im Wesentlichen auf eine problematische Aneignung des sozialen und materiellen Umfelds in der Zeitdimension der Biografie: Der Zusammenbruch gewohnter Lebensumstände unterminiert die Umwandlung der gesellschaftlichen und der eigenen Vergangenheit in einen konstruktiven Zukunftsentwurf. Der Begriff der biografischen Entfremdung erweist sich hierbei als ein geeignetes heuristisches Konzept zur soziologischen Untersuchung gesellschaftlicher Umbrüche. Die empirische Fundierung des Konzepts im Rahmen der Untersuchung biografischer Unsicherheit wird anhand einiger ausgewählter Beispiele aus weiteren Interviews illustriert. Abschließend werden die Brauchbarkeit des Begriffs für die Untersuchung sozialer Pathologien und mögliche Ausgangspunkte einer konzeptuellen Spezifizierung erörtert.

Schlagworte: Entfremdung; Sozialer Wandel; Transformation; Jugend; Biografie; Postkommunismus; Kapitalismus; Soziale Pathologie; Problemzentrierte Interviews.