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ZfS, Jg. 41, Heft 1 (2012)

Leugnen oder gestehen? Bestimmungsfaktoren wahrer Antworten in Befragungen

Anna Skarbek-Kozietulska, Peter Preisendörfer, Felix Wolter

Zusammenfassung: Der Artikel berichtet die Ergebnisse einer Validierungsstudie, in der es um das Problem wahrer Antworten in Umfragen geht. Auf der Grundlage einer schriftlichen Befragung von rund 300 Personen, die in den zurückliegenden Jahren eine oder mehrere kleinere Straftaten begangen hatten und dafür strafrechtlich verurteilt wurden, wird untersucht, wie häufig die Delinquenten in der Umfrage ihre strafrechtliche Verurteilung zugeben und von welchen Faktoren die Tendenz zum Leugnen bzw. Gestehen abhängt. Der Satz der im Einzelnen überprüften Einflussfaktoren wird aus verschiedenen Varianten der Rational-Choice-Theorie hergeleitet. Ausgewählte Ergebnisse: Insgesamt gestehen knapp zwei Drittel der Befragten ihre strafrechtliche Verurteilung. Frauen leugnen tendenziell häufiger als Männer, ältere Personen häufiger als jüngere und höher gebildete Befragte häufiger als niedriger gebildete. Die theoretisch bedeutsamen Variablen der Neigung zu sozial erwünschten Antworten (SD-Neigung) und der Erwünschtheitswahrnehmungen (SD-Belief) zeigen signifikante Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer wahren Antwort. Besondere Beachtung verdient der Befund, dass diejenigen, die den Fragebogen relativ spät bzw. erst nach wiederholter Aufforderung zurückschicken, eindeutig seltener wahrheitsgemäß antworten.

Schlagworte: Rational-Choice-Theorie; SEU-Theorie; Framing-Modelle; Validierungsstudie; Validität von Umfragen; Schriftliche Befragung; Soziale Erwünschtheit; Umfrageeinstellung; Umfrageerfahrung; Antwortlatenz.