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ZfS, Jg. 40, Heft 6 (2011)

Identifikation mit Europa im außereuropäischen Vergleich. Ein Niveau- und Strukturvergleich zu einer Dimension europäischer Integration

Jochen Roose

Zusammenfassung: Die Identifikation mit Europa ist ein wesentlicher Aspekt der sozialen Integration Europas. Bisher wurde europäische Identifikation vornehmlich mit Bezug auf den Integrationsprozess im Kontext der EU erklärt. So sollen wirtschaftliche Vorteile der EU, transnationale Erfahrungen und die Verbreitung europäischer Symbole die europäische Identifikation stärken, wobei entsprechende Effekt bei sozioökonomisch besser gestellten Personen stärker ausfallen sollen. Mit Daten des ISSP wird geprüft, inwieweit Ausmaß und sozialstrukturelle Verteilung der Identifikation mit Europa in EU-Mitgliedsländern diese Annahmen bestätigen. Entgegen der Annahmen zeigt sich kein höheres Niveau der kontinentalen Identifikation in Europa im Vergleich mit außereuropäischen Ländern und keine Zunahme dieser Identifikation im Zeitverlauf. Ein gruppenvergleichendes Pfadmodell belegt einheitliche sozialstrukturelle Einflüsse auf kontinentale Identifikation über Länder und Kontinente hinweg. Im Ländervergleich zeigen sich auch keine Zusammenhänge transnationaler Erfahrungen (gemessen durch Immigranten aus anderen Ländern desselben Kontinents) bzw. innerkontinentalen Handels mit kontinentaler Identifikation. Die Identifikation mit dem Kontinent fällt in Europa insgesamt nicht außergewöhnlich aus. Diese Ergebnisse ziehen EU-bezogene Erklärungen der Identifikation mit Europa und die Plausibilität entsprechender politischer Programme in Zweifel.

Schlagworte: Europäische Identifikation; Europäische Integration; Europäische Gesellschaft; Europasoziologie; Kosmopolitismus; Einstellungen zur EU; Internationaler Vergleich; Gruppenvergleichende Pfadmodelle; ISSP