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ZfS, Jg. 40, Heft 5 (2011)

Interessen und Ideen: Soziologische Kritik einer problematischen Unterscheidung

Sascha Münnich

Zusammenfassung: Dieser Artikel kritisiert die sowohl in der Politikwissenschaft als auch in der Wirtschaftssoziologie häufig zu beobachtende Entgegensetzung von Ideen und Interessen. Hinter dieser Dichotomie stehen zwei quer zueinander liegende Begriffsdimensionen: erstens die Frage, ob Interessen aus der gesellschaftlichen Position ableitbare Handlungsorientierungen oder subjektive, situative Handlungsintentionen bezeichnen; zweitens die Frage, ob Interessen kulturell begrenzt oder formiert sind. Anhand einer ausführlichen Diskussion verschiedener sozialtheoretischer Perspektiven wird ausgeführt, dass diese beiden Dimensionen schon im Begriff des Interesses selbst impliziert sind. Es wird gezeigt, dass ein mehrdimensionaler Interessenbegriff dabei helfen kann, das gegenseitige konzeptionelle „Aufsaugen“ von Ideen und Interessen in der Politikwissenschaft und in der Wirtschaftssoziologie zu vermeiden und daraus entstehende Erklärungsprobleme zu überwinden. Die Formierung von Interessen wird als Ausdruck der situativen Vermittlung von materiellen Positionen und ideellenWahrnehmungsmustern beschrieben.

Schlagworte: Interessen; Ideen; Interessentheorie; Konstruktivismus; Kultur und Ökonomie; Kultur und Politik; Einbettung; Soziale Klassen