Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 40, Heft 4 (2011)

Das Konzept der Aneignung in der qualitativen Rezeptionsforschung. Eine wissenssoziologische Präzisierung im Anschluss an die und in Abgrenzung von den Cultural Studies

Alexander Geimer

Zusammenfassung: Dieser Beitrag diskutiert das in der (vor allem deutschsprachigen) sozialwissenschaftlichen Medienund Rezeptionsforschung populäre Konzept der Aneignung, das insbesondere auf Arbeiten aus dem Bereich der Cultural Studies zurückgeht, welche die Aktivität, Kreativität und den Eigensinn von RezipientInnen akzentuieren. Die Cultural Studies haben damit Pionierarbeit für eine qualitative resp. rekonstruktive Rezeptionsforschung geleistet. Es finden sich jedoch Tendenzen einer Romantisierung und Idealisierung der Aktivität des Zuschauers, die eine inflationäre Verwendung des Aneignungskonzepts nahelegen. In Abgrenzung von diesen – vorrangig poststrukturalistisch und interaktionistisch geprägten – Positionen und im Anschluss an Ansätze innerhalb der Cultural Studies, die Aneignung als spezifische Praxis der Rezeption begreifen, schlägt der Beitrag eine wissenssoziologische Präzisierung des Aneignungskonzeptes vor dem Hintergrund eigener Studien vor. Dies führt zu einer Differenzierung in eine produktive und reproduktive Aneignung, welche die Lesarten-Typologie nach Stuart Hall (dominant, ausgehandelt, oppositionell) weiterführt und differenziert.

Schlagworte: Qualitative Medienforschung; Cultural Studies; Wissenssoziologie; Film; Aneignung; Rezeptionsforschung; Publikumsforschung