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ZfS, Jg. 40, Heft 1 (2011)

Pädosexueller Missbrauch: wenn Opfer zu Tätern werden. Eine empirische Studie

Dieter Urban, Joachim Fiebig

Zusammenfassung: Die vorliegende Studie berichtet über Analysen zur Entstehung pädosexueller Delinquenz. Als Datengrundlage dienen retrospektive Selbstreports sowie Gefangenenpersonalakten von 490 pädosexuellen und nichtpädosexuellen inhaftierten männlichen Straftätern. Die Ergebnisse von logistischen Regressionsanalysen (mit asymptotischen und exakten Schätzern) können bestätigen, dass pädosexuell viktimisierte Personen eine gesteigerte Chance aufweisen, im Erwachsenenalter ein pädosexuelles Delikt zu begehen. Des Weiteren gilt, dass pädosexuell viktimisierte Personen, die in ihrer Kindheit ein besonders aggressives Verhalten aufweisen, im Erwachsenenalter eine reduzierte Chance für eine pädosexuelle Delinquenz haben. Möglicherweise ist das aggressive Verhalten als eine Strategie zu verstehen, das Trauma eines sexuellen Missbrauchs zu bewältigen. Im Übrigen kann die Studie keinen Effekt der Normalisierung pädosexueller Viktimisierungserfahrungen auf eine spätere pädosexuelle Täterschaft nachweisen.

Schlagworte: Pädosexualität; Sexueller Missbrauch von Kindern; Opfer-Täter-Transition; Lebenslauf; Biografie; Fall-Kontroll-Studie