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ZfS, Jg. 39, Heft 6 (2010)

Die Emergenzfunktion des Dritten – ihre Bedeutung für die Analyse der Ordnung einer funktional differenzierten Gesellschaft

Gesa Lindemann

Zusammenfassung: In der Sozialtheorie sind dyadische Konzepte von Sozialität der dominierende Ausgangspunkt der Konzeptualisierung sozialer Beziehungen und der damit zusammenhängenden Entstehung sozialer Ordnung. Der Dritte wird seit Simmel zwar immer wieder als Ergänzung der Dyade eingeführt, bleibt aber in seiner systematischen Relevanz für die Theoriebildung unklar. Ein Grund dafür ist das spezifische Bezugsproblem dyadischer Sozialitätskonzeptionen: die doppelte Kontingenz zwischen Ego und Alter. Der Dritte wird erst dann systematisch relevant, wenn das Bezugsproblem erweitert und es als offene Frage behandelt wird, welche Entitäten füreinander als Alter Ego auftreten können. Ausgehend von diesem Problem, das ich im Anschluss an Plessner als Problem der Kontingenz der Mitwelt behandle, wirft der Beitrag die Frage auf, wie sich die Differenzierungsform der modernen Gesellschaft als Ausdifferenzierung funktionaler Teilbereiche alternativ zu handlungs- und systemtheoretischen Konzepten begreifen lässt. Anhand einzelner Funktionsbereiche lässt sich zeigen, dass sich funktionale Teilbereiche im Sinne unterschiedlich strukturierter Drittenkonstellationen begreifen lassen. Ich diskutiere dies am Beispiel von Wissenschaft, Wirtschaft sowie Politik und Recht.

Schlagworte: Sozialtheorie; Differenzierungstheorie; Doppelte Kontingenz; Plessner; Tertius; Funktionale Differenzierung; Triade