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ZfS, Jg. 39, Heft 6 (2010)

Einkommensungleichheiten in Europa. Multiple Raumbezüge sozialer Ungleichheiten in einem regional-national-europäischen Mehrebenensystem

Martin Heidenreich

Zusammenfassung: Die Analyse sozialer Ungleichheiten kann sich nicht länger auf den nationalstaatlichen Rahmen beschränken. Eine zentrale Herausforderung der Sozialstrukturanalyse ist deshalb die Untersuchung multipler Raumbezüge. Ungleichheiten werden in einem regional-national-europäisch-globalen Mehrebenensystem hervorgebracht und reguliert. Auf der Grundlage von Mikrodaten kann gezeigt werden, dass die Höhe und die Ungleichverteilung des verfügbaren Einkommens in Europa nicht nur durch Merkmale der jeweiligen Haushalte, sondern auch durch regionale Wirtschafts- und Arbeitsmarktstrukturen, nationale Institutionen, wirtschaftliche Öffnungsprozesse und die europäische Integration bestimmt werden. Trotz aller Kritik am methodologischen Nationalismus erweist sich die nationalstaatliche Ebene immer noch als zentrale Ebene für die Analyse von Ungleichheitsdynamiken. Nationalstaaten können durch Bildungs-, Sozial-, Arbeitsmarkt- und Marktçffnungspolitiken wirksam die Höhe und die Ungleichverteilung des verfügbaren Einkommens beeinflussen. Dennoch werden bislang weitgehend abgeschlossene nationale „Ungleichheitsräume“ durch supranationale Integrationsprozesse und subnationale Differenzierungsprozesse durchlässiger. Diese supra- und subnationalen Bestimmungsfaktoren von Einkommensungleichheiten werden auf der Grundlage von EU-SILC-Daten für die Jahre 2005–2008 für 24 EU-Länder durch Mehrebenenanalysen rekonstruiert.

Schlagworte: Einkommensungleichheiten; Europäische Union; Methodologischer Nationalismus; Wirtschaftsstrukturen; Regionen; EU-SILC.