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ZfS, Jg. 39, Heft 5 (2010)

Zur Erklärung von Diffusionsprozessen. Das Beispiel der Einführung staatlicher Lotterien in den USA

Mark Lutter

Zusammenfassung: Der Aufsatz beschäftigt sich mit den Determinanten der Diffusion staatlicher Lotterien als Beispiel einer politischen Innovation. Nach einer Verbotszeit von mehr als 100 Jahren führten US-Bundesstaaten Lotterien ab den 1960er Jahren schrittweise wieder ein. Anhand von statistischen Ereignisdatenanalysen zeigt der Beitrag, dass der Diffusionsprozess von fiskalischen, politischen und regionalen Faktoren ebenso wie von normativen Faktoren der sozialen Legitimierung abhängt. Der Aufsatz stellt zwei weitere Aspekte heraus, die empirisch demonstriert werden: Zum einen wird ein erweitertes regionales Diffusionsmodell diskutiert, das die räumliche Ausbreitung in Abhängigkeit zur ideologischen Struktur umgebender Staaten erfasst; zum anderen wird die zeitliche Dynamik des Prozesses modelliert. Hierfür ist der soziologische Neo-Institutionalismus der theoretische Bezugspunkt und es wird angenommen, dass mit zunehmender Dauer des Diffusionsprozesses die ursprünglichen Kausalfaktoren ihre Erklärungskraft zugunsten eines Bedeutungsgewinns von Legitimitätsaspekten verlieren. Die Ergebnisse dokumentieren isomorphische Adaptionsprozesse und in organisationsökologischer Hinsicht die Bedeutung institutioneller Umwelten für die Ausbreitung von Organisationen.

Schlagworte: Lotterien; Neo-Institutionalismus; Isomorphie; Konditionale Diffusion; Organisationsökologie