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ZfS, Jg. 39, Heft 4 (2010)

Direkte Konflikte, indirekte Konkurrenzen. Unterscheidung und Vergleich zweier Formen des Kampfes

Tobias Werron

Zusammenfassung: Der Aufsatz erkundet die heuristischen Potenziale einer kommunikationstheoretisch präzisierten Unterscheidung von Konflikt und Konkurrenz in drei Schritten: (1) Begriff des Konflikts – Konflikte lassen sich als Kommunikationsprozesse beschreiben, die aus einer Abfolge von Gegenwidersprüchen eine eigene Eskalationsdynamik gewinnen; sie sind eine direkte Form des Kampfes, die nur durch unmittelbares Einanderwidersprechen der Parteien zustande kommen kann. (2) Begriff der Konkurrenz – Konkurrenzen zeichnen sich demgegenüber, Georg Simmel folgend, durch Mittelbarkeit aus: dadurch, dass die Parteien erst über die knappe Gunst Dritter in die Lage kommen, einander als Rivalen mit gleichen Interessen an knappen Vorteilen wahrzunehmen. Konkurrenz in diesem Sinne ist ein indirekter, „berührungsloser“ Kampf, der von der Beobachtung Dritter abhängt und keine direkte Kommunikation zwischen den Konkurrenten erfordert. (3) Vergleich beider Formen – Diese Unterscheidung eröffnet Vergleichsmöglichkeiten, die der Schlussteil des Aufsatzes an Fällen von Koexistenzen und Kollisionen beider Formen erprobt. Die Fruchtbarkeit der Unterscheidung, so die These, zeigt sich vor allem in öffentlichen Fällen, wenn mit dem Publikum eine Figur des „versteckten lachenden Dritten“ hinzukommt, die die Dynamik moderner Konkurrenzen ermçglicht und der Differenz beider Kampfformen besondere theoretische und praktische Bedeutung verleiht.