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ZfS, Jg. 39, Heft 4 (2010)

Soziale Desintegration und Bindungsstil als Determinanten von Fremdenfeindlichkeit

Kirsten Rüssmann, Simon M. Dierkes, Paul B. Hill

Zusammenfassung: Die Fragestellung des Beitrags lautet, ob und inwieweit fremdenfeindliche Einstellungen in Deutschland auf Merkmale der Person und auf Merkmale individueller sozialer Situationen zurückführbar sind. Hierzu werden bei 1779 Personen Bindungsstile als personenbezogene und soziale Desintegration als sozialstrukturelle Größe in ihrer Auswirkung auf Fremdenfeindlichkeit untersucht. Es zeigt sich, dass Bindungsstile als Prädispositionen für das Auftreten von sozialer Desintegration betrachtet werden können, die ihrerseits das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit determiniert: Ein sicherer Bindungsstil senkt das Ausmaß an sozialer Desintegration und darüber vermittelt die Intensität fremdenfeindlicher Einstellungen. Ein unsicherer Bindungsstil führt zu einem Anstieg an sozialer Desintegration und Fremdenfeindlichkeit. Eine Betrachtung der Bindungsstilskalen „Angst“ und „Vermeidung“ sowie kategorialer Ausprägungen von Bindungsstilen (sicher, ängstlich-ambivalent, ängstlich-vermeidend, gleichgültig-vermeidend) konkretisiert diesen Befund. Für die ermittelte Effektstruktur sind insbesondere das Ausmaß an Vermeidung sowie ein ängstlich-vermeidender Bindungsstil relevant.