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ZfS, Jg. 39, Heft 2 (2010)

Kompetenzen oder Zertifikate? Die Entwertung ausländischer Bildungsabschlüsse auf dem Schweizer Arbeitsmarkt

Cornelia Weins

Zusammenfassung: Im Herkunftsland erworbene Bildungsabschlüsse von Zuwanderern zahlen sich in geringerem Maße in Lohnzuwächsen aus als inländische Abschlüsse. Aus humankapitaltheoretischer Sicht spiegelt die Entwertung ausländischer Bildungsabschlüsse eine geringe Produktivität von Zuwanderern wider, insbesondere aufgrund fehlenden aufnahmelandspezifischen Humankapitals. Unberücksichtigt bleibt bei dieser Argumentation der geringere Signalwert ausländischer Abschlüsse, der statistische Diskriminierung begünstigt. Schließlich müssen Vorurteile als Ursache von Diskriminierung in Betracht gezogen und von statistischer Diskriminierung abgegrenzt werden. Die Schweizer Daten des Adult Literacy and Lifeskills Survey zeigen geringere Fähigkeiten im Lesen und Rechnen bei Bildungsausländern. Kompetenzen erklären die Entwertung ausländischer Abschlüsse jedoch nur teilweise. Auch bei Berücksichtigung unterschiedlicher Kompetenzen haben ausländische Abschlüsse einen geringeren Einfluss auf Löhne als inländische Abschlüsse, wie es bei statistischer Diskriminierung zu erwarten ist. Hinweise auf ethnische Diskriminierung liefern die vorliegenden Daten nicht: Kompetenzen von Bildungsinländern und Bildungsausländern werden gleich honoriert.