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ZfS, Jg. 39, Heft 2 (2010)

Partizipation als Laborexperiment. Paradoxien der Laiendeliberation in Technikfragen

Alexander Bogner

Zusammenfassung: Die Forderung nach Partizipation stellt gerade im Bereich der Technologiepolitik einen anhaltenden Trend dar. Im Zuge ihrer Verwirklichung hat sich ein weitläufiger Methodenkanon partizipativer Technikbewertung entwickelt. In diesen Verfahren sollen Personen beteiligt werden, die ansonsten nicht in Prozesse der Technikbewertung
involviert sind. Diese Laienpartizipation realisiert sich in aktuell relevanten Technologiekontexten – so die hier vertretene These – charakteristischerweise als Laborexperiment. Das heißt: Die von Partizipationsprofis organisierte und unter kontrollierten Bedingungen stattfindende Beteiligung von Laien vollzieht sich weitgehend ohne Bezug auf öffentliche Kontroversen, politische Teilhabebestrebungen und individuelle Betroffenheiten. Anhand empirischer Studien wird gezeigt, dass diese Laborpartizipation in der Praxis zu paradoxen Effekten führt: Die erfolgreiche Durchführung des Experiments resultiert in einer systematischen Enttäuschung jener Hoffnungen auf Rationalitätsgewinne, die typischerweise mit Laienbeteiligung verbunden sind. Abschließend wird dieses Ergebnis auf soziologische Debatten bezogen, die unter den Stichworten „Gesellschaft als Labor“ und „Realexperimente“ gelaufen sind. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich eine paradoxe Entwicklung konstatieren: Einer Wissensproduktion, der die gesamte Gesellschaft zum Labor wird, entspricht eine Teilhabepraxis, die sich aus der Gesellschaft ins Labor zurückzieht.