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ZfS, Jg. 39, Heft 1 (2010)

Das unliebsame System. Herbert Spencers Werk als Prototyp einer Universaltheorie

Michael Beetz

Zusammenfassung: Im kollektiven Gedächtnis der Soziologie rangiert Herbert Spencer im Unterschied zu Klassikern wie Marx, Durkheim oder Weber eher als eine Art von Vorläufer. Seine Theorie gilt als Ausdruck sozialdarwinistischer Ideologie, teleologischer Fortschrittsdogmatik und unzulässiger biologischer Analogien. Die historische Bedeutung Spencers, sein konkretes Werk sowie dessen kosmologische Form werden dabei in der Regel wenig beachtet. Der Beitrag möchte aufzeigen, dass das theoretische System Spencers sich als eine analytische Ontologie begreifen lässt, die zugleich einen umfassenden Katalog relevanter wissenschaftlicher Themen und Probleme beinhaltet. Im Gegensatz zu monothetischen Gesellschaftsdiagnosen und methodologisch orientierten Sozialtheorien stell es damit einen dritten Typus von Universaltheorie dar, zu dem unter anderem auch die Systemtheorie Luhmanns zu rechnen ist. Da Spencers Werk die umfassendste und radikalste Version einer solchen Universaltheorie darstellt, beinhaltet eine intensivere Auseinandersetzung mit Spencer zugleich eine Beschäftigung mit der Frage nach der Möglichkeit einer Universaltheorie und ihren funktionalen Äquivalenten. Dies könnte zu einer Präzisierung der aktuellen soziologischen Theoriediskussion beitragen.