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ZfS, Jg. 19, Heft 4 (1990)

Das Ende einer Organisationsgesellschaft - Systemtheoretische Überlegungen zum gesellschaftlichen Umbruch in der DDR

Detlef Pollack

Zusammenfassung: Die Studie unternimmt den Versuch, den gesellschaftlichen Umschwung in der DDR mit Hilfe differenzierungstheoretischer, organisationssoziologischer und risikotheoretischer Unterscheidungen zu erklären. Die Ursachen für den gesellschaftlichen Umbruch in der DDR werden nicht im revolutionären Handeln des Volkes gesehen, sondern in einem komplexen Zusammenwirken systeminterner und systemexterner Faktoren, das im Sommer 1989 zu Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze führte. Durch diese Grenzöffnung änderten sich die systeminternen Machtverhältnisse in der DDR grundlegend, und es kam zu einer explosionsartigen Austragung der durch die Geschlossenheit der Grenzen aufgestauten und systemintern unlösbar gewordenen Probleme und Spannungen. Handelte es sich bei der DDR vor der Öffnung der Grenzen um eine gesellschaftliche Differenzierungen unterdrückende Organisationsgesellschaft, so brachte die plötzlich gegebene Möglichkeit des Austritts aus der Organisationsgesellschaft und die damit gleichzeitig gegebene Möglichkeit des internen Widerspruchs die Statik des geschlossenen Systems zum Einsturz.

Schlagworte: Revolution, DDR, Demokratisierung, SED, Frieden, Staatsgrenze, sozialer Wandel, Organisationsstruktur, politische Macht