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ZfS, Jg. 19, Heft 3 (1990)

Wenn aus Arbeit Abfall wird - Überlegungen zur Umorientierung der industriesoziologischen Sichtweise

Theodor M. Bardmann

Zusammenfassung: Die Vorstellungen und Strategien zur Organisationsgestaltung im Management sind in den letzten Jahren in Bewegung geraten, während eine industriesoziologische Kritik ganz ruhig, fast selbstgefällig auf alten Interpretationsmustern auszuharren scheint. Die Kritik reflektiert die neue Haltung im Management als eine moderne Version der alten Ausbeutungsstrategie. Mit einem solchen Pauschalurteil wird übersehen, daß sich unter dem Titel 'Organisationskultur' auch eine konstruktivistische Fraktion im Management zu formieren beginnt, die sich deutlich von der klassischen, instrumentalistischen Managementtradition absetzt. Die industriesoziologische Kritik nimmt diese Entwicklung nicht ernst genug und verspielt damit nicht nur Lernchancen für sich, sondern auch Veränderungsmöglichkeiten in der Arbeitswelt. Vor dem Hintergrund, daß die moderne Industriegesellschaft sich zunehmend durch den mit der Produktivität steigenden Anfall von Abfall bedroht sieht, scheint es angebracht, die klassischen Denkschemen im Management wie in der Managementkritik neu zu überdenken. Vor allem ist angesichts eines drohenden 'Abfallinfarkts'das einseitige Bild der 'produktiven Arbeit' zu revidieren und herauszustellen, daß alle Arbeit notwendig und unvermeidlich Abfall hervorbringt. Ziel dieses Aufsatzes ist es, dem Management wie seinen Kritikern durch eine Abfallperspektive vor Augen zu führen, daß es für das Abfallproblem eine 'saubere Lösung', die hier wie da suggeriert wird, nicht gibt.

Schlagworte: Organisation, Politik, Arbeit, Ausbeutung, Management, kulturelle Faktoren, Industriesoziologie, Orientierung, Taylorismus