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ZfS, Jg. 18, Heft 5 (1989)

Kommunikation, öffentliche Ordnung und das projektive Selbst. Die Bedeutung von Erving Goffmans Ökologie der sozialen Situation für die Analyse der Moderne

Michael Wehrspaun

Zusammenfassung: Für Goffman sind die Probleme des Eindrucksmanagements immer ein zentraler Analysegegenstand geblieben. In dem Artikel wird die Frage aufgeworfen, welche theoretischen und metatheoretischen Implikationen mit einem solchen Erkenntnisinteresse verbunden sind. Dabei wird Goffmans Ansatz als eine semiotische Ökologie der sozialen Situation beschrieben, die einen speziellen Begriff des Subjekts - bzw. des 'Ich' oder 'Selbst' - voraussetzt. Als ein wichtiges Konzept wird die 'Dialektik der Interaktion' besprochen, welche eine große zeitdiagnostische Bedeutung beinhaltet im Hinblick auf den Subjektivitätscode, der die spezifisch modernen Rahmungsformen von Personalität anleitet. Mit einem kurzen Rückblick auf einige Elemente in der Anthropologie Kants wird das Argument entwickelt, daß es zu dem heute allgemein problematisch gewordenen Subjektivitätscode eine Alternative in Form einer evolutionär-konstruktiven Kommunikationstheorie gibt, die auch für die Interpretation von Goffmans Arbeiten wichtig ist.

Schlagworte: Theorie, Kommunikation, Management, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Interaktionismus, soziale Umwelt, soziale Erwünschtheit, Subjektivität