Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 18, Heft 3 (1989)

Organisation" der Wirtschaft - Von Durkheims Berufsgruppen zu Bouglés Solidarismus

Christian Gülich

Zusammenfassung: Die zentrale Fragestellung des Beitrages besteht darin, welchen Einfluß Durkheims Analyse der 'anormalen Formen' der Arbeitsteilung und ihres theoretischen Lösungsversuches, die Wiederherstellung der Berufsgruppen, auf die vor und nach dem Ersten Weltkrieg auch in Frankreich geführte Diskussion um die Transformation der Wirtschaftsordnung ausgeübt hat. Celestin Bougle, einer der wichtigsten Mitarbeiter bei 'Annee Sociologique', hat hierzu entscheidende Anstöße geliefert, denn er stellt eine Verbindung zwischen seinen wirtschaftssoziologischen Analysen, die auf einen begrenzten Staatsinterventionismus bei Partizipation aller wirtschaftlichen Interessengruppen hinauslaufen, und den ordnungspolitischen Bestrebungen des französischen Solidarismus her. Der Solidarismus muß zu jenen politischen Strömungen gerechnet werden, die für einen 'Dritten Weg' zwischen Klassischem Liberalismus und zentralistischem Kollektivmus plädierten. Bougles solidaristische ordnungspolitische Konzeption wird in dem 1925 geschaffenen 'Nationalen Wirtschaftsrat' verwirklicht, der in abgewandelter Form bis heute in Frankreich existiert, und als ein frühes Modell des 'liberalen Korporatismus' anzusehen ist.

Schlagworte: Frankreich, Interventionismus, Durkheim, E., Verstaatlichung, Transformation, Wirtschaftsordnung, Kollektivismus, Ordnungspolitik, Wirtschaftsdemokratie