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ZfS, Jg. 18, Heft 2 (1989)

Mündlichkeit in Afrika und Schriftlichkeit in Europa

Werner Glinga

Zusammenfassung: Mündlichkeit und Schriftlichkeit sind menschliche Ausdrucksregister, die nicht nur den Bereich der Kommunikation betreffen, sondern auch der gesellschaftlichen Organisation. Sie sind soziale Organisationsmodi und bestehen nebeneinander her, weil sie unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Die afrikanischen Gesellschaften sind dominant mündlich, die europäischen dominant schriftlich. Der jeweils dominante Organisationsmodus bestimmt durch Übergriffe auch den minderheitlichen. Der mündliche Organisationsmodus kennt weder ein Original, noch unverrückbare Traditionen. Charakteristisch ist die ständige Fortschreibung in immer neuen Varianten. Die Sanktionierung einer jeweilig gültigen Version entsteht durch Sakralisierung. Der Mythos ist die herrschende Ausdrucksform der Mündlichkeit.

Schlagworte: Organisation, Entwicklungsland, Afrika, Gesellschaft, soziale Integration, Sprachvariante, Sprachgebrauch, Europa, soziale Norm, gesprochene Sprache, Schriftsprache, soziales System