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ZfS, Jg. 17, Heft 6 (1988)

Projekte - nein, danke? - Eine (un)zeitgemäße Betrachtung

Joachim Matthes

Zusammenfassung: Die Organisation des Forschungshandelns ist in den Sozialwissenschaften heute weithin auf das Handlungsschema des 'Projekts' festgelegt, - in Deutschland mehr noch als in den angelsächsischen Ländern. Über dieses Schema wird der Such-Charakter des Forschens in den Bann der Vorhersagbarkeit des Forschens und seiner Ergebnisse gezogen. Das verbreitete Unbehagen, das sich aus der belastenden Erfahrung mit diesem Umstand speist, äußert sich zumeist nur verstohlen; das Bestreben, Zugang zu den über dieses Schema vermittelten Förderungsmöglichkeiten zu gewinnen und zu erhalten, und die Vorstellung, dieses Handlungsschema entspräche der Methodik sozialwissenschaftlicher Forschung, behindern eine offene Diskussion dieses Unbehagens. Zu einer solchen Diskussion will dieser Beitrag anregen. Es wird versucht, den Handlungscharakter projektförmig organisierter Forschung genauer darzustellen, seine Wirkungen auf die Entwicklung von Forschungsideen zu untersuchen und die Bedingungen zu analysieren, unter denen sich dieses Handlungsschema durchsetzen konnte. Als Quintessenz dieser Überlegungen werden eine Eingrenzung des Geltungs- und Anwendungsbereiches der 'Projektförmigkeit' auf bestimmte Typen von Forschungsvorhaben und eine Rücknahme des Projekt-Prinzips auf die Spätphasen des 'Lebenslaufs' eines Forschungsvorhabens vorgeschlagen.

Schlagworte: Organisation, Methode, Forschung, Sozialforschung, Forschungsplanung, Projektmanagement, Wissenschaftlichkeit