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ZfS, Jg. 17, Heft 6 (1988)

Arbeitslosigkeitserfahrungen und soziopolitische Einstellungen

Michael Zängle, Michael Beckmann, Helmut Halder

Zusammenfassung: Im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung steht die Frage, ob Arbeitslosigkeit in der Jugendphase demotivierend wirkt und von anomischen Tendenzen begleitet ist. Im einzelnen wird untersucht, inwieweit Arbeitslosigkeitserfahrungen Jugendlicher im Zusammenhang stehen mit bestimmten Einstellungen zu Arbeit und Beruf, Attributionen beruflichen Erfolgs, Motivationsvariablen und soziopolitischen Einstellungen wie etwa Anomie. Als nächstes wird geprüft, ob derartige Zusammenhänge durch sozialstrukturelle und andere Faktoren differenziert werden müssen. Außerdem wird gezeigt, inwieweit sich die untersuchte Population in ihrer Antwortverteilung von entsprechenden Antwortverteilungen in allgemeinen, repräsentativen Bevölkerungsumfragen unterscheidet. Die Daten der Untersuchung basieren auf einer schriftlichen Befragung von Teilnehmern des Berufspraktischen Jahres (BPJ) in Bayern. Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich, daß es sich bei den befragten jugendlichen Arbeitslosen nicht um eine desorientierte, daher demotivierte und desinteressierte Problemgruppe handelt. Die Ergebnisse vermitteln eher den gegenteiligen Eindruck. Pflichtbewußtsein und Leistungsbereitschaft der befragten Jugendlichen erscheinen hoch, allerdings gepaart mit einer gekränkten Enttäuschung über eine ungerechte Gesellschaft, die sie mit ihren Problemen zusehr allein läßt. Letzteres trifft auf alle Strata gleichermaßen zu. Differenzierungen ergeben sich dagegen z. B. im Hinblick auf die Attribution beruflichen Erfolgs, der bei Besserqualifizierten eher fähigkeitszentriert und weniger anstrengungszentriert erklärt wird.

Schlagworte: Jugendlicher, Anomie, Einstellung, Leistung, Arbeitsloser, Motivation, Attribution, Berufsbildung, Bundesrepublik Deutschland, Bayern, Praktikum, psychische Faktoren, Orientierung, Normbildung