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ZfS, Jg. 17, Heft 5 (1988)

Parteiautonomie im Vermittlungsverfahren? - Empirische Ergebnisse zum Güteverfahren vor dem Schiedsmann

Dorothea Jansen

Zusammenfassung: Der Beitrag knüpft an das in Heft 1/1988 vorgestellte Modell zur Analyse von Vermittlungsverfahren an und konfrontiert die dort entwickelten Hypothesen mit Daten zu 194 Schiedsmannsverhandlungen. Das Ergebnis von Vermittlungsverfahren wird - entgegen seiner Legitimation durch Parteiautonomie - nicht in erster Linie von den Parteien, sondern vom Vermittler bestimmt. Das Ziel des Vermittlers, das Verfahren erfolgreich durchzuführen, führt ihn zu einer rechtspolitisch bedenklichen Ausbeutung seiner Situationsmacht zu Lasten der schwächeren Partei. Sind dagegen beide Parteien 'autonom' und überlassen dem Vermittler die Situationssteuerung nicht, so ist ein erfolgreicher Abschluß theoretisch nur unter bestimmten Bedingungen möglich, die sich aus der spieltheoretischen Analyse des Gefangenendilemmas ergeben. Die Daten zeigen, daß diese Bedingungen durch die Komplexität der Parteibeziehungen nicht adäquat zu operationalisieren sind. Vielmehr ist als zweite, hinreichende Bedingung die Höhe und subjektive Wahrscheinlichkeit der durch die Kooperation der Streitparteien abgewendeten Verluste zu berücksichtigen.

Schlagworte: Schiedsgerichtsbarkeit, Schiedsverfahren, Konfliktregelung, Problembewältigung