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ZfS, Jg. 15, Heft 3 (1986)

Sozialstruktur und Schichtungshierarchie im Wohlfahrtsstaat

Max Haller

Zusammenfassung: Es wird argumentiert, daß hinter der Mehrzahl der neueren deutschsprachigen Beiträge zur Analyse der sozialen Ungleichheit in fortgeschrittenen Wohlfahrtsstaaten die These steht, daß ein vordem primär hierarchisch-vertikal strukturiertes System abgelöst worden ist durch ein System horizontal ausgeprägter Differenzierungen und Disparitäten. In diesem System lassen sich Oben und Unten, Privilegierung oder Benachteiligung nicht mehr ohne weiteres bestimmten Bevölkerungsgruppen zuordnen, ja im Grunde überhaupt nicht mehr eindeutig ausmachen. Der Beitrag versucht sodann die Gegenthese zu belegen, daß es in modernen Wohlfahrtsstaaten auch ebenso bedeutsame Tendenzen zur Aufrichtung neuer und Vertiefung älterer Formen hierarchisch-vertikaler Ungleichheiten gibt. Dies wird im einzelnen im Hinblick auf drei Bereiche näher belegt: (1) Expansion und Meritokratisierung des Bildungswesens; (2) Expansion des öffentlichen Sektors und Konsolidierung der Professionen; (3) Konzentration und Bürokratisierung der privat-kapitalistischen Unternehmen. Der Beitrag schließt mit Überlegungen darüber, ob es auch Kräfte gegen diese Tendenzen gibt, welche ihrer weiteren ungehemmten Entfaltung in der Zukunft Grenzen setzen könnten.

Schlagworte: soziale Differenzierung, soziale Ungleichheit, Theorie, Bildungswesen, soziale Schichtung, Sozialstruktur, Hierarchie, Wohlfahrtsstaat, öffentlicher Sektor, Privatunternehmen