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ZfS, Jg. 15, Heft 3 (1986)

Max Weber als Handlungstheoretiker

Clausjohann Lindner

Zusammenfassung: Ziel dieses Artikels ist, Webers Position in zwei noch heute aktuellen Konflikten der Soziologie zu schildern und zu bewerten: die Position im Konflikt zwischen Individualismus und Kollektivismus und die Position im Konflikt zwischen Erklären oder Verstehen menschlichen Handelns. Es wurde gezeigt, daß Weber im ersten Konflikt zugunsten der individualistischen Position plädiert hat; dieser Standpunkt ist haltbar, wenn auch nicht im Lichte der Argumente Webers. Des weiteren wurde gezeigt, daß Weber in der zweiten Auseinandersetzung eine vermittelnde Position bezogen hat, indem er für ein Erklären durch Verstehen eintritt. Diese Vermittlung ist mißlungen, da man sehr schnell auf Fälle stößt, bei denen man ein Handeln eventuell erklären, nicht aber verstehen kann oder aber verstehen, nicht aber auf der Basis dieses Verstehens wissenschaftlich befriedigend erklären kann. In seinen speziellen Anweisungen darüber, wie ein Erklären durch Verstehen zu vollziehen sei, werden jedoch Grundzüge einer haltbaren allgemeinen Handlungstheorie sichtbar.

Schlagworte: Erklärung, Handlungstheorie, Individualismus, allgemeine Soziologie, Kollektivismus, Verstehen, Weber, M.