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ZfS, Jg. 15, Heft 1 (1986)

Soziologie und Familienpolitik: Verhältnisse und Einflüsse bis 1933

Elvira Helmer

Zusammenfassung: Die Anfänge der deutschen Familienpolitik liegen im ersten Drittel dieses Jahrhunderts. Die bevölkerungspolitische Diskussion erreichte in den 30er Jahren ihren einzigartigen Höhepunkt. Hat sich die damalige Soziologie an diesen Diskussionen beteiligt? Welche familienpolitischen Themen der damaligen Zeit haben das Interesse von Soziologen geweckt? Als Quellen dienten in erster Linie sämtliche seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erschienenen sozialwissenschaftlichen Zeitschriften. Aufgrund ihrer konservativen Tradition hätte die deutsche Familiensoziologie an familienpolitischen Themen stärker Anteil nehmen müssen; das sinkende Interesse der Soziologie an Familienfragen bis in die frühen 30er Jahre ließ dagegen vermuten, daß ihr die Anfänge der deutschen Familienpolitik nicht bewußt geworden sind. In dem Moment, in dem einige Soziologen wieder ihr Interesse an Familienpolitik entdeckten, wurden ihre Arbeiten entweder durch die Emigration abgebrochen oder der wissenschaftlichen und politischen Diskussion entzogen. Ihre Beteiligung an der bevölkerungspolitischen Diskussion war gering und in bezug auf qualitative Fragen gegenüber der damaligen Bevölkerungswissenschaft eher durch Distanz gekennzeichnet. Nur Theodor Geiger bildet hier eine Ausnahme. Er hat sich damals als einziger deutscher Soziologe kritisch mit Fragen der Eugenik auseinandergesetzt und hat uns mit seinem Buch zur Erbpflege nach Riehl's Buch über die Familie eine ausführliche familienpolitische Stellungnahme hinterlassen.

Schlagworte: Familienpolitik, Familiensoziologie, Bevölkerungspolitik, politisches Verhalten, Weimarer Republik, Drittes Reich, historische Entwicklung, Soziologie, politischer Einfluss