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ZfS, Jg. 14, Heft 5 (1985)

Zur Soziologie der Krankheitsbewältigung. Oder: Das emotionale Defizit soziologischer Handlungstheorie

Bernhard Badura

Zusammenfassung: Einer medizinisch-naturwissenschaftlichen Betrachtung der Krankheitsbewältigung wird eine sozialwissenschaftlich-handlungstheoretische gegenübergestellt. Nicht allein Art und Grad einer Erkrankung sind ausschlaggebend für Lebensqualität und Genesungsverlauf, sondern die persönlichen und sozialen Voraussetzungen, unter denen diese Erkrankung erlebt und verarbeitet wird. Das Erleben einer Krankheit wird als psychosozialer Streßprozeß begriffen. Die Verarbeitung negativer Emotionen und Selbstbildmanagement sind wichtige Aspekte der Krankheitsbewältigung. Auf der Grundlage einer Longitudinalstudie mit 1000 Herzinfarktpatienten entwickelt der Aufsatz die Idee eines allgemeinen soziopsychosomatischen Bewältigungsmechanismus, dessen angemessenes Verständnis dadurch erschwert wird, daß affektuelles Handeln und Emotionen die bisher am wenigsten durchdachten Elemente soziologischer Handlungstheorie bilden. Das hier umrissene mikrosoziologische Streßmodell verweist zugleich auf neue Möglichkeiten einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Soziologen, Psychologen und Physiologen.

Schlagworte: Interaktion, Handlungstheorie, Herzinfarkt, Therapie, Verhalten, Emotionalität, Selbstbild, Förderung, Krankheit, Gesundheit, psychosoziale Faktoren