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ZfS, Jg. 14, Heft 4 (1985)

Die kritische Gesellschaftstheorie des frühen Horkheimer. Mißverständnisse über das Verhältnis von Horkheimer, Lukács und dem Positivismus

Korthals Michiel

Zusammenfassung: Oft wird übersehen, daß Max Horkheimer anfang der dreißiger Jahre scharfe Kritik an Lukacs und Hegel geübt hat; zwischen der ersten Phase seiner Kritischen Theorie und dem damaligen Positivismus gab es viel mehr Übereinstimmung. In drei Hinsichten muß seine Position von denjenigen Lukacs und Marcuse unterschieden werden. Auf wissenschaftstheoretischer Ebene kritisiert Horkheimer Lukacs' Begriff von Totalität und meint, daß sinnvolle Aussagen der Bewährung in der Erfahrung bedürfen; in seinen gesellschaftstheoretischen Grundbegriffen spielt Lukacs' Begriff der Verdinglichung kaum eine Rolle, statt dessen interpretiert er die kapitalistische Wirklichkeit vielmehr im Sinne Schopenhauers. Schließlich betont er mehr als Lukacs, Marcuse und auch Adorno die Wichtigkeit der moralischen Entscheidung für die Kritische Theorie und legt sehr viel Wert auf Schopenhauers Begriff von Mitleid mit endlichem Wesen. Erst nach 1936, wahrscheinlich unter Einfluß von Adorno und Marcuse, verläßt Horkheimer den Weg seiner ersten Phase, und es wandelt sich seine Kritische Theorie in Richtung eines Hegelianismus.

Schlagworte: Erkenntnistheorie, Horkheimer, M., Kritische Theorie, Gesellschaftstheorie, Wissenschaftstheorie, Lukacs, G., Positivismus