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ZfS, Jg. 14, Heft 1 (1985)

Stigma und Identität. Über den Umgang straffälliger Jugendlicher mit dem Etikett "kriminell"

Horst Stenger

Zusammenfassung: Diese Arbeit befaßt sich mit alltagsweltlichen 'Erklärungen' straffälliger Jugendlicher hinsichtlich 'kriminell-sein'. Die Hauptthese ist, daß trotz eines starken definitorischen Umweltdrucks auf eine Übernahme des Etiketts 'kriminell' dies auf Seiten der Jugendlichen nicht zu einer Identifikation mit der Zuschreibung, sondern zu einer spezifischen Form der Auseinandersetzung mit der Etikettierung und dem Etikett führt. Die Strategien, die die Jugendlichen in dieser Auseinandersetzung benutzen, werden hier auf der Grundlage des in biographischen Interviews gewonnenen empirischen Materials analysiert. Als theoretische Bezugspunkte werden die Arbeiten von Sykes/Matza und Scott/Lyman benutzt. Auf der Mikroebene betreffen wesentliche Ergebnisse die Analyse der Mehrdimensionalität realer Interaktionsstrategien sowie die Herausarbeitung von Rahmenbedingungen, die die Art und Weise der Strategieverwendung beeinflussen. Die Auseinandersetzung mit einigen theoretischen Aspekten von 'Entschuldigung' und 'Rechtfertigung' als Typen der 'Erklärung' erbringt Thesen über den unterschiedlichen Stellenwert der beiden Typen im Kontrollsystem und bezieht die vorliegende Analyse auf die aktuelle kriminalsoziologische Diskussion und damit auf einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. In diesem Kontext wird auch die Beziehung zwischen 'Erklärungs'-Typus und Identitätsstabilisierung erörtert.

Schlagworte: Identität, Kriminalität, Selbstbild, Jugendlicher, Straffälliger