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ZfS, Jg. 12, Heft 4 (1983)

Technikgebundene Handlungsabläufe auf der Intensivstation: Zum Zusammenhang von medizinischer Technologie und therapeutischer Beziehung

Claudia von Grote-Janz, Elmar Weingarten

Zusammenfassung: Gegenstand der Arbeit sind die psychosozialen Folgen hochentwickelter medizinischer Technologie für die therapeutischen Beziehungen. Analysiert wird dieser Zusammenhang am Beispiel zweier zentraler intensivmedizinischer Technologien (Herz-Monitoring und künstliche Beatmung), die in der Logik ihres Funktionierens und hinsichtlich ihrer sozialen Implikationen betrachtet werden. Die Analyse richtet sich auf die Aufmerksamkeitsfokussierungen und -defokussierungen beim ärztlichen und pflegerischen Personal, wie sie durch konzentrierte Beobachtungen der Maschinen induziert werden. Aus dem Blickfeld pflegerischer und ärztlicher Aufmerksamkeit drohen die psychosozialen Bedürfnisse des an Maschinen angeschlossenen Patienten zu geraten, aber auch die anderen Mitpatienten, bei denen der Einsatz von Überwachungstechnologien nur in einem geringeren Ausmaß erforderlich ist. Intensiviert werden solche Aufmerksamkeitsverschiebungen auf technologische Systeme durch allgegenwärtige Pannen. Als wesentliche Bedingung für solche Aufmerksamkeitsdefokussierung wird die technologische Möglichkeit der Herausverlagerung physiologischer Signale aus dem Körper des Patienten (Herzmonitor) bzw. die Möglichkeit der Außensteuerung eines physiologischen Vorgangs und seiner Überwachung (Beatmungsgerät) gesehen. Die Chancen der Verwirklichung jener auf 'Gefühlsarbeit' seitens des pflegerischen und ärztlichen Personals gerichteten Patientenbedürfnisse drohen damit in einer hochtechnologisierten Medizin zu sinken.

Schlagworte: Erleben, Arzt-Patient-Beziehung, Interdependenz, Therapie, soziale Folgen, medizinische Versorgung, Wirkung, Technik, Krankheit, Technologie, Krankenhaus, Medizin, Technikfolgenabschätzung, psychosoziale Faktoren