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ZfS, Jg. 12, Heft 3 (1983)

Zwischen Legitimation und Kritik. Vorstellungen von Akademikern, Studenten und Bevölkerung zur sozialen Ungleichheit

Johann-Ulrich Sandberger

Zusammenfassung: Unterschiedliche soziologische Denkansätze konvergieren in der Annahme, daß die Rolle der Ausbildungselite in der gegenwärtigen Gesellschaft weitreichenden Veränderungen unterliegt. Jedoch sind sowohl die Richtung solchen Wandels als auch Ausformung und Entwicklungstendenzen des sozialen Bewußtseins der Intellektuellen Gegenstand kontroverser Interpretationen. Grundlegende Fragen beziehen sich auf ihre soziale und kulturelle Integration versus Entfremdung, auf den Grad von Homogenität oder Heterogenität der Ausbildungselite und auf den Gegensatz zwischen einer 'idealistischen' Perspektive, die in jungen Intellektuellen die Avantgarde eines neuen Wertsystems sieht, und einer 'materialistischen' Sichtweise, die als Determinanten ihres Bewußtseins kulturelles Kapital, Klasseninteresse und Statusängste in den Vordergrund rückt. Als ein Beitrag zur Klärung dieser Fragen werden Orientierungen westdeutscher Akademiker und Studenten gegenüber sozialer Ungleichheit analysiert. Befunde für einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt dienen als Vergleichsrahmen. Es wird gezeigt, daß Vorstellungen zur Ungleichheit der sozialen Lage und zur Chancenungleichheit entlang einer Achse von Legitimation versus egalitärer Kritik strukturiert sind und daß diese Orientierungen mit Wahrnehmungen und Erwartungen bezüglich der eigenen gesellschaftlichen Stellung und Lebenschancen kovariieren. Zur Abschätzung potentieller politischer Konsequenzen wird überprüft, in welcher Beziehung Legitimation und Kritik der Schichtungsordnung zu politischen Einstellungen stehen.

Schlagworte: Bevölkerung, Akademiker, Einstellung, Student, Bundesrepublik Deutschland, soziale Ungleichheit, Elite, politische Einstellung, soziale Schichtung