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ZfS, Jg. 12, Heft 1 (1983)

Die Grenzen der Gleichheit: Bemerkungen über Fred Hirsch

Ralf Dahrendorf

Zusammenfassung: Fred Hirschs Analyse der 'sozialen Grenze des Wachstums' könnte man eine politische Ökonomie der Frustation nennen. Hirsch war nach Temperament und Überzeugung Sozialdemokrat; ihn schmerzte die Entdeckung, daß die Mittel des politischen Wandels, an die er geglaubt hatte, die von ihm gewollten Ergebnisse - mehr Gleichheit - am Ende nicht bewirken würden. Der Schmerz mag ihn weiter auf den Pfad der Frustation geführt haben, als nötig war. Hirschs Auffassung, daß positionelle Differenzen nicht verschwinden werden, ist zuzustimmen. Dahinter steht die Notwendigkeit von Herrschaft. Wo es Herrschaft gibt, gibt es Ungleichheit. Allerdings unterschätzt Hirsch die Bedeutung von Wandlungen der positionellen Ökonomie und damit der Formen sozialer Ungleichheit. So kann eine Veränderung des Systems der sozialen Schichtung oder der sozialen Mobilität die Ungleichheit zwar nicht abschaffen, wohl aber abmildern und erträglicher machen.

Schlagworte: soziale Ungleichheit, soziale Mobilität, Herrschaft, soziale Schichtung, Gesellschaftstheorie, Gleichheit, sozialer Status, Wohlstand