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ZfS, Jg. 11, Heft 4 (1982)

Armut und Arbeitsmarkt: Wo ist der Zusammenhang? Ein Diskussionsbeitrag zu dem Aufsatz von Rolf G. Heinze et al. (ZfS Juli 1981)

Jürgen Kohl, Lutz Leisering

Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag entwickelt aus der Kritik des Aufsatzes von Heinze et al. über den Zusammenhang von Armut und Arbeitsmarkt (in ZfS 10 (1981): 219-243) einen Ansatz zur Analyse der sozialstrukturellen Bedingungen von Armut. Die theoretisch-konzeptionelle Kritik richtet sich zum einen auf die mangelnde analytische Unterscheidung zwischen der Armuts- und der Ungleichheitsproblematik, zum andern auf die Hypostasierung der Weberschen Klassentheorie, wodurch andere Verteilungsinstanzen gesellschaftlicher Ressourcen außer dem Arbeitsmarkt tendenziell vernachlässigt werden. Ausgangspunkt der empirischen Kritik ist der problematische Verzicht auf eine Strukturanalyse der Armut. Demgegenüber wird hier auf einer vergleichenden Analyse der sozio-demographischen Struktur der Armutsbevölkerung bei verschiedenen operationalen Armutsdefinitionen insistiert, mit deren Hilfe spezifische Problemgruppen und Verarmungsrisiken identifiziert werden. Als theoretisches Fazit wird die Erklärungsidee einer Interaktion der Verteilungssysteme Arbeitsmarkt, Institutionen der sozialen Sicherung und Familie entwickelt. Dies erlaubt es, sowohl den Stellenwert arbeitsmarktvermittelter Ungleichheit für die Armutsproblematik näher zu bestimmen wie auch die genuine Rolle der Sozialpolitik bei der Entstehung und Bekämpfung von Armut herauszuarbeiten. Vor diesem Hintergrund wird die von Heinze et al. empfohlene Strategie der Beeinflussung der Allokationsprinzipien des Arbeitsmarkts und damit der primären Einkommensverteilung als Ansatzpunkt der Armutsbekämpfung einer kritischen Beurteilung unterzogen.

Schlagworte: soziale Sicherung, Einkommen, Arbeitsmarkt, Sozialpolitik, Verteilung, Umverteilung, Armut, Begriff, soziale Ungleichheit, Typologie