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ZfS, Jg. 10, Heft 4 (1981)

Beanspruchung durch die Arbeit und psychische Gesundheit: Auswirkungen von Diskrepanzen zwischen Arbeitserfahrungen und Arbeitserwartungen

Horst Lühring, Hans Dieter Seibel

Zusammenfassung: Ausgehend von der sozialpsychologischen Streßtheorie wurde 1978/79 in einer Stichprobe von 840 Arbeitnehmern, darunter 348 männliche Arbeiter, untersucht, ob und wie Diskrepanzen zwischen perzipierten Arbeitsanforderungen und Arbeitsansprüchen über einen Zustand psychischer Spannung zu gesundheitlichen Störungen führen. Bei den männlichen Arbeitern zeigte sich, daß die Analyse unterschiedlich strukturierter (unabhängiger, defizitärer oder komplementärer) Beziehungen zwischen Arbeitserwartung und Arbeitserfahrung bei einzelner Beanspruchungsdimensionen einen vielversprechenderen Ansatz darstellt als die formale mathematische Konstruktion von Diskrepanzindikatoren. Dabei erwies sich eine komplementäre Beziehung als Ausdruck einer resignativen Bewältigung restriktiver Arbeitssituationen. Dieses für monotone und fremdbestimmte Arbeitssituationen charakteristische Verarbeitungsmuster führt dazu, daß hier weniger negative Folgen für die psychische Gesundheit auftreten als bei defizitären Beziehungen, wie sie für Beanspruchung durch quantitative Überforderung und durch unbefriedigende Sozialbeziehungen im Betrieb charakteristisch sind.

Schlagworte: Arbeitsanforderung, Arbeitsbedingungen, Stress, Arbeiter, soziale Beziehungen, Interdependenz, Arbeitsplatz, Arbeit, psychische Krankheit, Gesundheit, Industriebetrieb, psychosoziale Faktoren