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ZfS, Jg. 9, Heft 4 (1980)

Geschlechtsdifferenzen in der Zukunftsorientierung

Gisela Trommsdorff, Christine Burger, Traudl Füchsle

Zusammenfassung: Um den Einfluß von Geschlechtsrollen und Bildungsstand auf die Art und Ausprägung der Zukunftsorientierung (ZO) empirisch zu erfassen, wurden 256 weibliche und männliche Jugendliche von Berufsschulen, Gymnasien und der Universität mit einem - durch Item- und Faktorenanalysen statistisch erprobten - Zukunftsorientierungs-Instrument befragt. Entgegen den einfachen Hypothesen und Befunden der Literatur, daß Frauen ihre Zukunft stärker in bezug auf den familialen Bereich, Männer dagegen eher in bezug auf den Berufsbereich hin strukturieren, zeigte sich hier, daß Frauen im Vergleich zu Männern eine differenzierter strukturierte ZO nicht nur im familialen, sondern auch im Berufsbereich hatten. Diese Befunde deuten auf neue Probleme bei der Änderung der Geschlechtsrollenorientierung hin: Frauen - insbesondere Berufsschülerinnen - hatten ausgeprägter strukturierte Befürchtungen als Männer, daß sich ihre beruflichen Wünsche nicht erfüllen würden; außerdem trauten sie sich weniger als Männer zu, aus eigener Kraft ihre Hoffnungen erfüllen zu können. - Wenn also, anders als in der Literatur üblich, ZO thematisch und kognitiv-affektiv differenziert gemessen wird, zeigt sich, daß die Struktur der Zukunftsorientierung von Jugendlichen geschlechts- und bildungsabhängig ist. Diese Ergebnisse lassen sich - teilweise post-hoc - durchaus im Sinne traditionellen Geschlechtsrollenlernens und darüberhinaus als Merkmal der Orientierung an sozialen und ökologischen Gegebenheiten deuten.

Schlagworte: Einstellung, Bildungsniveau, Attribution, Student, Geschlechtsrolle, Jugendlicher, geschlechtsspezifische Faktoren, Schüler, Zukunftsorientierung