Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 9, Heft 1 (1980)

Über Parsons zu Weber: Von der Theorie der Rationalisierung zur Theorie der Interpenetration

Richard Münch

Zusammenfassung: Die Perspektive der zunehmenden Rationalisierung ist die allgemein anerkannte Interpretationsperspektive zu Max Webers vergleichenden Studien zum Entstehen der modernen okzidentalen Gesellschaft. Hier wird die These begründet, daß man sich mit dieser Perspektive bislang den Blick auf die Eigenart der modernen okzidentalen Entwicklung und auch den Blick auf das theoretische Erklärungssystem Max Webers verstellt hat. Die verschiedenen Einzelbeiträge Webers lassen sich in der Rationalisierungsperspektive nicht zu einem kohärenten Erklärungssystem zusammenfügen. Die Eigenart der modernen okzidentalen Entwicklung ist nicht die zunehmende Rationalisierung von Sphären des Handelns nach ihren Eigengesetzlichkeiten und ihre Differenzierung. Das Spezifikum des Okzidents ist vielmehr die Verbindung des Gegensätzlichen, und dies gilt für die Herausbildung eines normativen Grundmusters ebenso wie für alle speziellen modernen Institutionen. Die Bedingung dieser Vereinigung des Gegensätzlichen ist die Interpenetration der differenzierten Sphären des Handelns. Die adäquate theoretische Perspektive zur Erklärung der modernen okzidentalen Entwicklung muß deshalb eine Theorie des Interpenetrationsprozesses sein. Parsons' Weber-Interpretation ist die einzige, die einen Zugang zu Weber in dieser Perspektive eröffnet. Der Weg zu einer befriedigenden Erklärung der modernen okzidentalen Entwicklung im allgemeinen und zu einem zutreffenden Verständnis der Erklärungsleistung Webers führt deshalb nur über Parsons.

Schlagworte: ökonomische Theorie, Handlungstheorie, Europa, Integrationstheorie, Entwicklung, soziologische Theorie, Gesellschaft, Gemeinschaft, Theorie, Differenzierung, soziale Norm, Rationalisierung, Systemtheorie, Parsons, T., Weber, M.