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ZfS, Jg. 8, Heft 4 (1979)

Anomie und Prozesse der Kriminalitätsentwicklung im sozialen Kontext

Andreas Diekmann, Karl-Dieter Opp

Zusammenfassung: Analysiert man die zentralen Schriften zur Anomietheorie, so können die drei folgenden Versionen unterschieden werden: Erstens eine reine Mikrotheorie, die nur Variablen auf der individuellen Ebene wie die perzipierten Ziele, die internalisierten Normen und die perzipierten Möglichkeiten enthält; zweitens eine Mikrotheorie mit Kontexteffekten, die zusätzlich Merkmale des sozialen Kontextes berücksichtigt. Dazu zählen die in einem sozialen Kollektiv vorherrschenden Ziele, die 'Gelegenheitsstrukturen' und die von den Interaktionspartnern vertretenen Normen. Drittens wird die Anomietheorie häufig als Makrotheorie formuliert, die nur Aussagen über Merkmalsbeziehungen auf der kollektiven Ebene macht. Die Vor- und Nachteile dieser drei Versionen werden diskutiert. Ausgehend von diesen Überlegungen wird ein Kausalmodell vorgeschlagen, in dem Variablen verschiedener kriminologischer Traditionen berücksichtigt werden. Es wird gezeigt, daß dieses Modell zu einer integrierten Theorie abweichenden Verhaltens ausgebaut werden kann. Eine vereinfachte Fassung der Theorie wird auf der Makroebene mit linearen Differentialgleichungen formalisiert. Dabei wird das dynamische Verhalten des Modells untersucht, wobei insbesondere die Stabilitätsbedingungen und der Gleichgewichtspunkt von Interesse sind. Abschließend werden einige Aggregationsprobleme angesprochen.

Schlagworte: abweichendes Verhalten, Kriminalität, Kontextanalyse, Modellanalyse, Kausalanalyse, Anomie, Modellentwicklung