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ZfS, Jg. 8, Heft 1 (1979)

Max Weber als empirischer Sozialforscher

Friedrich Heckmann

Zusammenfassung: Die Darstellung und Diskussion der empirischen Arbeiten MAX WEBERS ist eine wichtige Ergänzung zur wissenschaftsbiographischen Kontur WEBERS als Soziologietheoretiker, Methodologe und Sozialhistoriker. Zugleich zerstört die Vorstellung dieser empirischen Arbeit den Mythos vom grundsätzlich anti-empirischen Charakter deutscher Soziologietradition. WEBERS Beiträge im Bereich empirischer Methoden und Techniken beziehen sich vor allem auf verschiedene Aspekte der Befragung; er entwickelte weiterhin Grundideen einer quantifizierend verfahrenden Inhaltsanalyse. Defizite zeigen sich bei der Zusammenfassung und Gruppierung von Daten sowie in der Überfrachtung einzelner Untersuchungen mit einer Überzahl von Problem- und Fragestellungen. Neben biographischen Momenten erklärt dies das relative Fehlschlagen der empirischen Arbeit WEBERS. Die empirische Arbeit weist interessante theoretische Implikationen auf, die zum Bild des Soziologietheoretikers in Widerspruch geraten: Der Theoretiker einer 'Soziologie des subjektiven Sinns' läßt sich faszinieren von der experimentellen Exaktheit einer gerade das Sinnverstehen ausschließenden Methode und Theorie, der Psychophysik. Quantifizierungsemphathik läßt ihn zu Verfahren fast empiristischer Natur bei der Konstruktion von Typen anraten, die im bemerkenswerten Gegensatz zum idealtypischen Verfahren stehen.

Schlagworte: soziologische Theorie, historische Entwicklung, Soziologie, Sozialgeschichte, empirische Sozialforschung, Weber, M., Werturteil