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ZfS, Jg. 7, Heft 3 (1978)

Unbekannte Quellen der Religionssoziologie Max Webers

Gottfried Küenzlen

Zusammenfassung: Die Frage nach den Quellen des Werkes MAX WEBERs hat in der bisherigen WEBER-Literatur noch keine zureichende Beachtung gefunden. So große Anstrengungen die WEBER-Forschung in ihren Analysen und Bemühungen um das Verstehen des Werkes auch unternommen haben mag, so wichtige Ergebnisse ihr in Studien zu Teilpartien oder Gesamtinterpretationen auch zu verdanken sind: Genauere Untersuchungen zu den Quellen des Werkes und zu der Bedeutung, die sie jeweils gehabt haben mögen, sind selten anzutreffen. Dabei bedarf es nach einem gültigen Grundsatz der Interpretation für das Verstehen eines Werkes neben der genauen Textanalyse und der systematisierenden Zusammenfassung der Kenntnis der Problemlage und des wissenschaftlichen Diskussionszusammenhanges, in die der Autor hineingestellt war. So gilt auch für das Werk M. WEBERs: Erst wenn das wissenschaftliche Umfeld, in dem WEBER stand, untersucht und beschrieben worden ist, die Quellen, aus denen er geschöpft hat, identifiziert sind, wenn herausgearbeitet worden ist, wie er sie - in Adaption und Überschreitung - verwendet hat, läßt sich der wirkliche Gehalt des Werkes vollends erkennen und ermessen. Von dieser Überzeugung ausgehend, stellt die hier vorgelegte Studie die Frage nach den Quellen für bestimmte Teile der WEBERschen Religionssoziologie. Es kann dabei gezeigt werden, daß WEBER in zentralen ebenso wie in eher nebensächlichen Sachverhalten aus dem Material einer bestimmten einflußreichen Richtung der Religionswissenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts (C. P. THIELE u.a.) geschöpft, in manchen ihrer Begriffe gedacht und geschrieben hat. 

Schlagworte: Religionssoziologie; Religionswissenschaft; Weber; Weber-Rezeption; Quellen; Historischer Kontext