Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 6, Heft 3 (1977)

Sozialer Identitätsanspruch und die Legitimation der Betreuung: Zur Kustodialfunktion der Sozialisationsorganisationen

Klaus Plake

Zusammenfassung: Die Kustodialfunktion der Sozialisationsorganisationen ist in der Regel latent; gegenüber der in der Außendarstellung und im Bewußtsein der Mitglieder dominanten Sozialisation/Therapie tritt sie nur in Grenzfällen in Erscheinung. Die soziologische Analyse der Entstehung von Schulen und Psychiatrischen Kliniken zeigt jedoch, daß schon von Anfang an die Entwicklung dieser Organisationen nur dann 'Fortschritte' machte, wenn sich mit der Sozialisation - z.B. infolge zunehmender sozialer Differenzierung oder politischer Krisen - kustodiale Interessen verbanden. Auch in der Gegenwart lassen einige Tendenzen im Ausbau des Bildungswesens, obwohl durch andere Faktoren z.T. überlagert, die Relevanz der Kustodialfunktion erkennen. Entgegen der verbreiteten Annahme, Sozialisations- und Kustodialfunktion könnten gleichzeitig erbracht werden, sind beide Funktionen nur begrenzt miteinander zu vereinbaren, da ähnliche Implikationen unterschiedliche Bedeutung haben. Trotz der vielfältigen Bemühungen in den Sozialisationsorganisationen, soziale Prozesse im Sinne der Sozialisationsfunktion zu interpretieren, kann die Sozialisationseffizienz völlig zunichte gemacht werden, wenn die Kustodialfunktion offenbar wird. Eine Entlastung bei Sozialisationsorganisationen von kustodialen Anforderungen könnte durch eine weniger rigide Definition von Identitätsnormen erreicht werden.' 

Schlagworte: Sozialisationsorganisation; Sozialisationsfunktion; Kustodialfunktion; Identität; Schule; Psychiatrische Klinik