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ZfS, Jg. 6, Heft 2 (1977)

Die Richtung des Ordnens und ihre Beziehung zu sozialen Phänomenen

Siegwart Lindenberg

Zusammenfassung: Von zentraler Bedeutung für alle hierarchischen sozialen Phänomene sind die Prozesse, durch die Individuen einander ordnen. Der Aufsatz gibt eine Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse von Untersuchungen dieser Ordnungsprozesse und wendet sie auf die Erklärung verschiedener sozialer Phänomene an. Zu den wichtigsten Konsequenzen des Ordnens zählen der 'Ordnungs-Diskriminations-Effekt' und der 'Circulus vitiosus der Machtlosigkeit'. Der Ordnungs-Diskriminations-Effekt bezeichnet die tatsache, daß ein Individuum umso weniger Positionen auf einer Ordnungsskala unterscheidet, je niedriger seine eigene Position auf dieser Skala ist. Der Circulus vitiosus der Machtlosigkeit betrifft die Aufrechterhaltung der niedrigen sozialen Position eines Individuums als Folge des Ordnungsprozesses. Beide Effekte müssen in Theorien über typische Phänomene offener Gesellschaften - wie Anomie, Konsumverhalten, soziale Mobilität - berücksichtigt werden. Es stellt sich die Frage, wovon die Richtung des Ordnens abhängt. Zur Beantwortung dieser Frage wird eine Hypothese formuliert, die experimentell überprüft wird. Die Resultate bestätigen die Hypothese, aber auch verschiedene ältere Erkenntnisse über Ordnungsprozesse.

Schlagworte: Ordnungsbildung; Ordnungsprozess; Ordnungsskala; Hierarchie; Soziale Position