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ZfS, Jg. 6, Heft 1 (1977)

Interpenetration - Zum Verhältnis personaler und sozialer Systeme

Niklas Luhmann

Zusammenfassung: Im Laufe der Ideengeschichte ist die Konzeption der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft mehrfach geändert worden. Die aristotelische Tradition hatte ihre Gesellschaftstheorie auf der Basis der Beziehung zwischen Individuen (Freundschaft) aufgebaut und diese Basis durch die Begriffe der Selbstreferenz und des alter ego charakterisiert. PARSONS sieht das Problem nicht mehr in der Beziehung zwischen Individuen, sondern in der Beziehung zwischen personalen und sozialen Systemen, die er im Rahmen einer allgemeinen Theorie des Aktionssystems als Interpenetration begreift. Es wird vorgeschlagen, diese Konzeption erneut zu verändern. Interpenetration kann unabhängig vom Kontext der PARSONSschen Theorie charakterisiert werden als eine besondere Art von Beziehung zwischen System und Umwelt, in der Umweltsysteme ihre Fähigkeit zur Selbständerung beitragen, um Strukturmuster eines Systems auf höherer Ebene zu stabilisieren. Diese Vorstellung hat ihre Wurzeln in der frühen Anthropologie der bürgerlichen Revolution (1650-1750). Sie kann benutzt werden, um mit Hilfe von Orientierung an mehrfachen Systemreferenzen Probleme einer Theorie der Sozialisation und einer Theorie der Rationalität auszuarbeiten.

Schlagworte: Systemtheorie; Soziale Systeme; Personales System; Umwelt; Interpenetration; Individuum; Gesellschaft; Sozialisation; Rationalität